Das Versuchstier des Jahres 2004:
Der Javaneraffe
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Der Javaneraffe
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 Affenkultur
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   Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Hessen e.V.

   Warum sind Affenversuche abzulehnen?

Von Cristeta Brause, Tierärztin

Affenversuche sind zunächst einmal aus den selben Gründen wie alle Tierversuche abzulehnen.

Zu den hier relevanten Merkmalen wie Schmerzempfinden und Leidensfähigkeit gesellen sich beim nichtmenschlichen Primaten hohe kognitive Fähigkeiten, die bei Einsatz dieser Tiere in Versuchen dem Problemfeld Tierexperiment eine neue Dimension verleihen.

Den hohen Ansprüchen eines Primaten an seine (Haltungs-)Umwelt kann in Versuchslabors nicht angemessen Rechnung getragen werden.

So müssen »Versuchsaffen« oft einzeln in engen, kahlen Metallkäfigen ihr Dasein fristen. Die soziale Isolation, Enge, Reizarmut, Stress und Angst führen wiederum zu schweren Verhaltensstörungen. Für einen Javaneraffen, der normalerweise auf erhöhten Plätzen in Bäumen lebt, bedeutet eingesperrt sein in einem engen auf geringer Raumhöhe angebrachten Käfig ohne Fluchtweg nach oben ein permanentes Bedrohungsgefühl.

Auch wenn »Versuchsaffen« in Labors gehalten werden, darf nicht außer Acht bleiben, dass sie eigentlich Wildtiere in Gefangenschaft sind, für die auch der Kontakt zum Menschen Stress bedeutet.

Diese Angst der Tiere wird dann noch durch die unangenehmen bis schmerzhaften Prozeduren, denen die Affen bis zu mehrmals täglich unter Anwendung von Zwangsmaßnahmen unterzogen werden, bestätigt und immer wieder neu geschürt.

Zudem sind gerade die Experimente, welche mit Affen durchgeführt werden, oft mit erheblichen Belastungen für die Tiere verbunden.

Neben den Giftigkeitstests und Infektionsversuchen sind hier besonders die in der neurobiologischen Grundlagenforschung praktizierte Konditionierung per Wasserentzug oder die mechanische Fixierung der Tiere im Primatenstuhl hervorzuheben.

Schon der Zustand dieser dauergestressten Tiere stellt die Verwertbarkeit von Versuchsergebnissen in Frage.

Doch auch die anatomisch – physiologischen Besonderheiten der nichtmenschlichen Primaten sind trotz großer Ähnlichkeit zu denen des Menschen nicht zu unterschätzen. Sodass es auch hinsichtlich Übertragbarkeit von Affenexperimenten auf den Menschen bemerkenswerte Unterschiede gibt. Beispielsweise führt eine SIV - Infektion selbst beim Schimpansen zu keinem Immundefizienzsyndrom, wie wir es aber im Falle einer Infektion mit dem AIDS-Erreger HIV beim Menschen beobachten können. Ferner zeigten Affen in pharmakologischen Tests mit beispielsweise Diazepam (Beruhigungsmittel) oder Fenclofenac (Entzündungshemmer) andere Reaktionen des Leberstoffwechsels als der Mensch.

Als zusätzlicher Aspekt kommt hier die große evolutionäre Nähe der nichtmenschlichen Primaten zu uns Menschen hinzu, welche die Befürwortung von Affenexperimenten oft zwangsläufig nicht exakt mit einer gleichzeitigen Ablehnung von Menschenversuchen begründen lässt und exemplarisch die Ungerechtigkeit und Willkür aufzeigt, mit der wir in Bezug auf Tierversuche die Grenze zwischen uns und die nichtmenschlichen Tieren ziehen.

Angesichts dessen, dass bereits Wissenschaftler aus aller Welt im Rahmen des »Great Ape Projects« Menschenrechte für Menschenaffen einfordern, darf es insbesondere seit Aufnahme des Tierschutzes in unsere Verfassung keine Legitimation mehr für Primatenversuche geben!

Stand: April 2004