Warum sind Affenversuche abzulehnen?
Von Cristeta Brause, Tierärztin
Affenversuche sind zunächst einmal aus den selben Gründen wie alle Tierversuche
abzulehnen.
Zu den hier relevanten Merkmalen wie Schmerzempfinden und Leidensfähigkeit gesellen
sich beim nichtmenschlichen Primaten hohe kognitive Fähigkeiten, die bei Einsatz dieser
Tiere in Versuchen dem Problemfeld Tierexperiment eine neue Dimension verleihen.
Den hohen Ansprüchen eines Primaten an seine (Haltungs-)Umwelt kann in Versuchslabors
nicht angemessen Rechnung getragen werden.
So müssen »Versuchsaffen« oft einzeln in engen, kahlen Metallkäfigen ihr Dasein
fristen. Die soziale Isolation, Enge, Reizarmut, Stress und Angst führen wiederum zu
schweren Verhaltensstörungen. Für einen Javaneraffen, der normalerweise auf erhöhten
Plätzen in Bäumen lebt, bedeutet eingesperrt sein in einem engen auf geringer Raumhöhe
angebrachten Käfig ohne Fluchtweg nach oben ein permanentes Bedrohungsgefühl.
Auch wenn »Versuchsaffen« in Labors gehalten werden, darf nicht außer Acht bleiben,
dass sie eigentlich Wildtiere in Gefangenschaft sind, für die auch der Kontakt zum
Menschen Stress bedeutet.
Diese Angst der Tiere wird dann noch durch die unangenehmen bis schmerzhaften
Prozeduren, denen die Affen bis zu mehrmals täglich unter Anwendung von Zwangsmaßnahmen
unterzogen werden, bestätigt und immer wieder neu geschürt.
Zudem sind gerade die Experimente, welche mit Affen durchgeführt werden, oft mit
erheblichen Belastungen für die Tiere verbunden.
Neben den Giftigkeitstests und Infektionsversuchen sind hier besonders die in der
neurobiologischen Grundlagenforschung praktizierte Konditionierung per Wasserentzug oder
die mechanische Fixierung der Tiere im Primatenstuhl hervorzuheben.
Schon der Zustand dieser dauergestressten Tiere stellt die Verwertbarkeit von
Versuchsergebnissen in Frage.
Doch auch die anatomisch physiologischen Besonderheiten der nichtmenschlichen
Primaten sind trotz großer Ähnlichkeit zu denen des Menschen nicht zu unterschätzen.
Sodass es auch hinsichtlich Übertragbarkeit von Affenexperimenten auf den Menschen
bemerkenswerte Unterschiede gibt. Beispielsweise führt eine SIV - Infektion selbst beim
Schimpansen zu keinem Immundefizienzsyndrom, wie wir es aber im Falle einer Infektion mit
dem AIDS-Erreger HIV beim Menschen beobachten können. Ferner zeigten Affen in
pharmakologischen Tests mit beispielsweise Diazepam (Beruhigungsmittel) oder Fenclofenac
(Entzündungshemmer) andere Reaktionen des Leberstoffwechsels als der Mensch.
Als zusätzlicher Aspekt kommt hier die große evolutionäre Nähe der
nichtmenschlichen Primaten zu uns Menschen hinzu, welche die Befürwortung von
Affenexperimenten oft zwangsläufig nicht exakt mit einer gleichzeitigen Ablehnung von
Menschenversuchen begründen lässt und exemplarisch die Ungerechtigkeit und Willkür
aufzeigt, mit der wir in Bezug auf Tierversuche die Grenze zwischen uns und die
nichtmenschlichen Tieren ziehen.
Angesichts dessen, dass bereits Wissenschaftler aus aller Welt im Rahmen des »Great
Ape Projects« Menschenrechte für Menschenaffen einfordern, darf es insbesondere seit
Aufnahme des Tierschutzes in unsere Verfassung keine Legitimation mehr für
Primatenversuche geben!
Stand: April 2004
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