Affe und Mensch
nah verwandt und doch verschieden
Von BUAV (www.buav.org), übersetzt von Dr. med.
vet. Corina Gericke
Bei der Verwendung von Javaneraffen und anderen Makakenarten treten häufig Probleme
auf, die in einer Studie der US-Niederlassung der Firma Covance zusammengestellt wurden
(1):
Javaneraffen weisen gegenüber
anderen Arten besonders starke Schwankungen bezüglich der Wirkung von Substanzen auf.
Dadurch wird die Interpretation von Versuchsergebnissen noch schwieriger.
Häufiges Blutabnehmen (z.B.
8-10mal in 24 Stunden) beeinflusst die Anzahl der roten Blutkörperchen und des
Bluteiweißes. Durch Muskelverletzungen, die beim Umgang mit den Tieren und beim
Blutabnehmen entstehen, treten bei Makaken häufig verstärkt Muskelenzyme im Blut auf,
die die Versuchsergebnisse beeinflussen können.
Nicht alle Javaneraffen sind
gleich. Javaneraffen aus Indonesien, von den Philippinen oder Mauritius haben kleinere
rote Blutkörperchen als Tiere aus China und Vietnam. Auch die weißen Blutkörperchen
können unterschiedlich sein. Wenn also Tiere verschiedener Herkunft in einer Studie
verwendet werden, kann das zu unterschiedlichen Resultaten führen.
Angst kann zu einer
unmittelbaren Erhöhung der weißen Blutkörperchen führen, wodurch die Analyse einer
Blutprobe unbrauchbar werden kann.
Vorübergehende Schwankungen
der weißen Blutkörperchen sind sogar bei gesunden Makaken die Regel. Die Ursache
hierfür ist unbekannt. Dies erschwert die Interpretation von Blutanalysen nach einer
Medikamentengabe noch mehr.
Die Leberenzyme im Blut
(Alaninaminotransferase und Alkalinphosphatase), die zur Beurteilung der Leberfunktion
herangezogen werden, sind sowohl bei Makaken untereinander als auch bei einzelnen Tieren
im Zeitverlauf unterschiedlich.
Makaken haben normalerweise
einen sehr niedrigen Blutzuckerspiegel. Wenn sie allerdings gestresst sind, z.B. bedingt
durch Handling, Medikamentengabe oder Blutabnehmen, schießt der Blutzuckerspiegel hoch,
als hätten sie Diabetes.
Ein und dieselbe Substanz kann bei Affen und Menschen und auch bei anderen
Tierarten völlig unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Einige Beispiele:
Valium bei Ratten und Affen
über die Galle ausgeschieden, bei Hund und Mensch aber über den Urin.
Der Entzündungshemmer
Fenclofenac rief bei menschlichen Patienten akute Gelbsucht durch Gallenstau hervor, eine
Nebenwirkung, die bei Rhesusaffen und anderen Tieren nicht beobachtet werden konnte (2).
Das Virus-Medikament
Fialuridin führte bei einigen Patienten zu Leberversagen. Affen, denen eine 100fach
höhere Dosis gegeben worden war, zeigten keine Veränderungen der Leber (3).
Das Schmerz- und Rheumamittel
Benoxaprofen zirkuliert beim Rhesusaffen nur halb so lange in der Blutbahn wie beim
Menschen. Wegen Nierenversagen und anderer schwerer Nebenwirkungen, die sich später beim
Patienten zeigten, wurde das Medikament vom Markt genommen (3) Die Ergebnisse von
Versuchen an Ratten und Mäuse waren in diesem Fall dem Menschen ähnlicher als die der
Affen.
Das Bluthochdruckmittel
Losartan wird bei Mensch und Ratte zu dem eigentlich wirksamen Zwischenprodukt abgebaut.
Affen verstoffwechseln das Medikament zu einem anderen, wesentlich weniger wirksamen
Zwischenprodukt (4).
Das Herzmedikament Amrinon
wurde in umfangreichen Tierversuchen getestet, darunter auch an Rhesusaffen. In keinem der
Tierversuche traten die Veränderungen der Blutkörperchen auf, die später bei einem
Fünftel der Patienten zu finden waren (5).
Das Krebsmedikament 5FU wurde
bei verschiedenen Tierarten ganz unterschiedlich abgebaut. In diesem Fall waren die
Ergebnisse bei Ratte, Hund und Mensch ähnlich, die der Affen jedoch stark anweichend.
Tatsächlich unterschieden sich sogar Javaner- und Rhesusaffen, obwohl beide der Gattung
der Makaken angehören, in der Art des Abbaus des Medikamentes in der Leber (6).
Bei Versuchen mit dem
gentechnisch hergestellten humanen Insulin vertrugen Ratten und Mäuse die 100fach höhere
Dosis eines Menschen. Bei Rhesusaffen hingegen kam es bei Dosen, die sich beim
Diabetes-Patienten als sicher erwiesen, zu lebensgefährlichem Blutzuckerabfall (3).
(1) Toxicologic Pathology 2003: 31 (suppl.), 6-10
(2) J. Am. Coll. Toxicol. 1990: 9, 291-302
(3) Toxicol. Letters 1998: 102-103, 545-550
(4) Nature Biotechnology 1996: 14, 1655-1656
(5) Regul. Toxicol. Pharmacol. 1990: 11, 288-307
(6) Pharmacology 1998: 56, 276-280
Quelle: Key areas of concern regarding the treatment of non-human primates at Covance
in Germany following an investigation by the British Union for the Abolition of
Vivisection (BUAV), December 2003. www.buav.org |