Das Versuchstier des Jahres 2004:
Der Javaneraffe
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   Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Hessen e.V.

   Affe und Mensch –
nah verwandt und doch verschieden

Von BUAV (www.buav.org), übersetzt von Dr. med. vet. Corina Gericke

 

Bei der Verwendung von Javaneraffen und anderen Makakenarten treten häufig Probleme auf, die in einer Studie der US-Niederlassung der Firma Covance zusammengestellt wurden (1):

 Javaneraffen weisen gegenüber anderen Arten besonders starke Schwankungen bezüglich der Wirkung von Substanzen auf. Dadurch wird die Interpretation von Versuchsergebnissen noch schwieriger.

 Häufiges Blutabnehmen (z.B. 8-10mal in 24 Stunden) beeinflusst die Anzahl der roten Blutkörperchen und des Bluteiweißes. Durch Muskelverletzungen, die beim Umgang mit den Tieren und beim Blutabnehmen entstehen, treten bei Makaken häufig verstärkt Muskelenzyme im Blut auf, die die Versuchsergebnisse beeinflussen können.

 Nicht alle Javaneraffen sind gleich. Javaneraffen aus Indonesien, von den Philippinen oder Mauritius haben kleinere rote Blutkörperchen als Tiere aus China und Vietnam. Auch die weißen Blutkörperchen können unterschiedlich sein. Wenn also Tiere verschiedener Herkunft in einer Studie verwendet werden, kann das zu unterschiedlichen Resultaten führen.

 Angst kann zu einer unmittelbaren Erhöhung der weißen Blutkörperchen führen, wodurch die Analyse einer Blutprobe unbrauchbar werden kann.

 Vorübergehende Schwankungen der weißen Blutkörperchen sind sogar bei gesunden Makaken die Regel. Die Ursache hierfür ist unbekannt. Dies erschwert die Interpretation von Blutanalysen nach einer Medikamentengabe noch mehr.

 Die Leberenzyme im Blut (Alaninaminotransferase und Alkalinphosphatase), die zur Beurteilung der Leberfunktion herangezogen werden, sind sowohl bei Makaken untereinander als auch bei einzelnen Tieren im Zeitverlauf unterschiedlich.

 Makaken haben normalerweise einen sehr niedrigen Blutzuckerspiegel. Wenn sie allerdings gestresst sind, z.B. bedingt durch Handling, Medikamentengabe oder Blutabnehmen, schießt der Blutzuckerspiegel hoch, als hätten sie Diabetes.

 

Ein und dieselbe Substanz kann bei Affen und Menschen – und auch bei anderen Tierarten völlig unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Einige Beispiele:

 Valium bei Ratten und Affen über die Galle ausgeschieden, bei Hund und Mensch aber über den Urin.

 Der Entzündungshemmer Fenclofenac rief bei menschlichen Patienten akute Gelbsucht durch Gallenstau hervor, eine Nebenwirkung, die bei Rhesusaffen und anderen Tieren nicht beobachtet werden konnte (2).

 Das Virus-Medikament Fialuridin führte bei einigen Patienten zu Leberversagen. Affen, denen eine 100fach höhere Dosis gegeben worden war, zeigten keine Veränderungen der Leber (3).

 Das Schmerz- und Rheumamittel Benoxaprofen zirkuliert beim Rhesusaffen nur halb so lange in der Blutbahn wie beim Menschen. Wegen Nierenversagen und anderer schwerer Nebenwirkungen, die sich später beim Patienten zeigten, wurde das Medikament vom Markt genommen (3) Die Ergebnisse von Versuchen an Ratten und Mäuse waren in diesem Fall dem Menschen ähnlicher als die der Affen.

 Das Bluthochdruckmittel Losartan wird bei Mensch und Ratte zu dem eigentlich wirksamen Zwischenprodukt abgebaut. Affen verstoffwechseln das Medikament zu einem anderen, wesentlich weniger wirksamen Zwischenprodukt (4).

 Das Herzmedikament Amrinon wurde in umfangreichen Tierversuchen getestet, darunter auch an Rhesusaffen. In keinem der Tierversuche traten die Veränderungen der Blutkörperchen auf, die später bei einem Fünftel der Patienten zu finden waren (5).

 Das Krebsmedikament 5FU wurde bei verschiedenen Tierarten ganz unterschiedlich abgebaut. In diesem Fall waren die Ergebnisse bei Ratte, Hund und Mensch ähnlich, die der Affen jedoch stark anweichend. Tatsächlich unterschieden sich sogar Javaner- und Rhesusaffen, obwohl beide der Gattung der Makaken angehören, in der Art des Abbaus des Medikamentes in der Leber (6).

 Bei Versuchen mit dem gentechnisch hergestellten humanen Insulin vertrugen Ratten und Mäuse die 100fach höhere Dosis eines Menschen. Bei Rhesusaffen hingegen kam es bei Dosen, die sich beim Diabetes-Patienten als sicher erwiesen, zu lebensgefährlichem Blutzuckerabfall (3).

(1) Toxicologic Pathology 2003: 31 (suppl.), 6-10
(2) J. Am. Coll. Toxicol. 1990: 9, 291-302
(3) Toxicol. Letters 1998: 102-103, 545-550
(4) Nature Biotechnology 1996: 14, 1655-1656
(5) Regul. Toxicol. Pharmacol. 1990: 11, 288-307
(6) Pharmacology 1998: 56, 276-280

Quelle: Key areas of concern regarding the treatment of non-human primates at Covance in Germany following an investigation by the British Union for the Abolition of Vivisection (BUAV), December 2003. www.buav.org