Das Versuchstier des Jahres 2004:
Der Javaneraffe
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Der Javaneraffe
 Ein Leben in Freiheit
 Affenkultur
Primatenversuche
 Wo wird in Deutschland an Affen experimentiert?
 Welche Tierversuche werden mit Primaten durchgeführt?
 Der Fall Covance
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   Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Hessen e.V.

   Welche Tierversuche werden mit Primaten durchgeführt?

Von Cristeta Brause, Tierärztin

   Forschung

Die nahe Verwandtschaft der nichtmenschlichen Primaten zu uns Menschen ist der Grund dafür, dass Affen für bestimmte Bereiche der biomedizinischen Forschung herangezogen werden.

Seit 1992 verzichtet man hierzulande zwar endlich auf den Einsatz von Menschenaffen, aber Altweltaffen wie Javaneraffen (Macaca fascicularis), Rhesusaffen (Macaca mulatta), Afrikanische Grüne Meerkatzen (Cercopithecus aethiops) und Paviane (Papio spp.) sowie Weißbüschelaffen (Callitrix jacchus), Totenkopfaffen (Saimiri sciureus) und Nachtaffen (Aotus trivirgatus) leiden nach wie vor in deutschen Versuchslabors .

Die Einsatzgebiete für Affen in der Forschung sind die Bereiche Virologie, Reproduktions- (Fortpflanzungs-)biologie/-medizin, Neurobiologie, Xenotransplantation (Verpflanzung von Organen/Geweben einer Art auf eine andere), Gentherapie-Forschung und Pharmakologie/Toxikologie.

 Infektionsforschung

Da Infektionserreger (Viren, Prionen, Bakterien, Parasiten) nicht für jede Tierart überhaupt oder gleichermaßen infektiös sind und einige Krankheitserreger des Menschen nur Primaten infizieren können, werden besonders im Bereich der Virologie Affen eingesetzt. Dabei werden die Tiere beispielsweise mit Erregern auf die verschiedensten Arten (Injektion, Gabe über die Atemluft oder den Magen usw.) infiziert, um entweder einzelne Mechanismen der Infektion und Krankheitsentstehung im Rahmen der Grundlagenforschung aufzuklären, oder auf der Suche nach geeigneten medikamentösen Therapien bzw. Impfstrategien. Auch die Charakterisierung von Viren ist hier von Interesse.

Derzeit liegt der Schwerpunkt bei der Erforschung sogenannter Retroviren wie beispielsweise dem AIDS-Erreger HIV (Human Immunodeficiency Virus) bzw. dem Lentivirus SIV (Simian Immunodeficiency Virus), das bei einigen Affenarten ein dem menschlichen AIDS-Syndrom ähnliches Krankheitsbild hervorruft.

Des weiteren werden mit Hepatitisviren und Herpesviren Affenexperimente durchgeführt.

In jüngster Zeit wird auch exzessiv mit sogenannten Prionen, zu denen der BSE-Erreger gehört, an Affen geforscht.

 Neurobiologische Grundlagenforschung

Die Erforschung des Zentralen Nervensystems läuft derzeit auf Hochtouren. Insbesondere die Hirnforschung im Hinblick auf Fragestellungen zur zentralen Verarbeitung von Sinnesreizen, Entwicklungsbiologie des Gehirns und Gedächtnisforschung sowie die Erforschung von Demenzkrankheiten treten hier in den Vordergrund.

Weil nun Gehirn und Sinnesorgane des Affen entwicklungsbiologisch denen des Menschen sehr nahe kommen, werden Affen gerade in der neurobiologischen Grundlagenforschung eingesetzt.

So wird seit einiger Zeit die Verarbeitung visueller Reize an Affen mittels in das Gehirn implantierter Elektroden zur Messung von Hirnströmen erforscht. Während der Messungen muss der Affe im sogenannten Primatenstuhl fixiert sitzen und Aufgaben vor einem Monitor sitzend und einen Hebel betätigend lösen.

Auch zur Forschung im Bereich Verarbeitung akustischer Reize werden Affen Elektroden in das Gehirn eingepflanzt.

Ein weiteres Gebiet ist die Stimmforschung. Hier interessieren das Zusammenspiel von Stimmapparat, Nerven und Muskeln bei der Lauterzeugung. So werden beispielweise am narkotisierten Affen bestimmte Nerven gereizt, die bei dem Tier dann Lautäußerungen hervorrufen.

 Fortpflanzungsbiologie

Unter den Säugetieren ist es wiederum nur der Affe, dessen weiblicher Hormonzyklus und damit verbundene biologische Vorgänge an den weiblichen Geschlechtsorganen denen des Menschen am meisten gleichen. Ähnliches gilt auch für andere Hormonfunktionen im Organismus von Affen beiderlei Geschlechts. Deshalb werden Affen in der Hormonforschung einschließlich der Pharmakologie der Fortpflanzung eingesetzt.

Dabei werden zum Beispiel trächtigen Äffinnen fruchtschädigende Substanzen verabreicht oder männliche Tiere kastriert und anschließend Hormonbehandlungen unterzogen.

Auch bei der Entwicklung der »Pille« wurden Affen eingesetzt.

 Xenotransplantation

Die Idee, neben Schweinen auch Affen als unsere Ersatzteillager für Organe und Gewebe zu verwenden, wird insbesondere seit bestehender Möglichkeit, Abwehrreaktionen des Körpers gegen fremde Gewebe unterdrücken zu können, in's Auge gefasst.

Trotz und auch wegen der genetischen Verwandtschaft zu uns Menschen ist der nichtmenschliche Affe aber mit technischen Problemen für Xenotransplantationszwecke behaftet. Zum einen sind die Tiere von zu geringer Körpergröße, zum anderen könnten sie für den Menschen krankmachende Erreger in ihren Organen und Geweben beherbergen, welche dann beim Empfängerorganismus zum Ausbruch von Krankheiten führen könnten. Auch Probleme wie das Vorkommen bestimmter Blutgruppen bei Affen und nicht zuletzt die begrenzte Verfügbarkeit und Zuchtmöglichkeit von Affen kommen hier zum Tragen.

Dennoch muss der Affe bei solchen Transplantationsexperimenten als »Empfängertier« Organen transgener Schweine herhalten.

Dabei wird das Immunsystem der Affen gedrosselt und anschließend ein Schweineorgan in die Bauchhöhle oder anstelle des entsprechenden eigenen Organs eingepflanzt. Postoperativ wird dann die Überlebenszeit des Affen ermittelt.

   Arzneimittelprüfung

Im Rahmen der gesetzlich geforderten Tierversuche bei der Entwicklung von Arzneimitteln und anderen chemischen Produkten werden ebenfalls Primaten eingesetzt.

Den Tieren werden die Testsubstanzen beispielsweise gespritzt oder über Schlundsonden in den Magen gepumpt. Begleitend werden die Tiere verschiedensten anderen Maßnahmen wie Blutproben ziehen etc. unterzogen.

Stand: April 2004