Das Versuchstier des Jahres 2006:
Die Muschelmaus
 Einleitung
 Die Muschelmaus
 Der Tierversuch
 Der Ersatztest
 Die Maus
 Die Muschel
 Die Gesetzeslage
 weiteres Infomaterial
 Flugblatt
 Pressemitteilungen
 externe Links
 Was kann ich tun?
 Protestbriefe
 Unterschriftenliste
 Banner & Buttons
 Impressum/Kontakt

  
   Hauptseite

   Die Gesetzeslage

EU-Recht

Da der Konsum von Muscheln und anderen Meerestieren immer wieder zu Vergiftungen führte, wurden aus Gründen des Verbraucherschutzes in vielen Staaten der Welt Unbedenklichkeitsprüfungen gesetzlich festgelegt. Praktisch alle schreiben den "Maus-Bioassay" in verschiedenen Varianten vor. In der EU gilt die Richtlinie des Rates 91/492/EEC. Diese schreibt einen "biologischen Test" vor, der in der Kommissions-Entscheidung 2002/225/EC ausgeführt wird: Drei Mäusen wird der Muschelextrakt in die Bauchhöhle injiziert. Sterben innerhalb von 24 Stunden zwei von ihnen, wird auf das Vorhandensein von Toxinen geschlossen. Aus der Länge des Todeskampfes wird die Menge des Giftes berechnet. Sie darf 80 Mikrogramm Gift pro 100g Muschelfleisch nicht überschreiten.

Die Kommissions-Entscheidung 2002/225/EC erlaubt den Einsatz von tierversuchsfreien Methoden, wenn diese validiert sind, d.h. wenn sie die gleichen Ergebnisse liefern, wie der "Maus-Bioassay". Das Problem ist nur, dass der Tierversuch selbst nie validiert wurde und daher als Vergleich für die sehr viel besseren Methoden gar nicht geeignet ist. In der wissenschaftlichen Literatur wird er wegen seiner großen Schwankungen sogar als nicht validierbar beschrieben. Trotz seiner erheblichen Defizite ist der Mäuseversuch in der Rechtsvorschrift zur juristischen Absicherung als so genannte Referenzmethode angegeben. Kommt es nach Muschelkonsum zu Vergiftungen, kann der Vertreiber der Meerestiere nicht belangt werden, wenn der Tierversuch durchgeführt wurde.

Gemäß der EU-Tierversuchsrichtlinie 86/609 dürfen Tierversuche nur durchgeführt werden, wenn das Ergebnis nicht durch eine andere, wissenschaftlich zufriedenstellende, vertretbare und praktikable Methode erzielt werden kann. Das EU-Recht schreibt also absurderweise einen Tierversuch vor und verbietet ihn gleichzeitig.

Rechtsvorschriften in Deutschland

In Deutschland wurden die EU-Vorgaben in der Fisch-Hygiene-Verordnung umgesetzt, laut der sowohl Tierversuch als auch tierversuchsfreie Methode erlaubt sind. Tatsächlich wurde der "Maus-Bioassay" aber seit Ende der 80er-Jahre nicht mehr durchgeführt, da die physikalisch-chemischen Analyseverfahren wesentlich schnellere und genauere Ergebnisse liefert als der Tierversuch. Außerdem sind nach dem Deutschen Tierschutzgesetz Tierversuche nicht erlaubt, wenn der verfolgte Zweck auch auf andere Weise erreicht werden kann.

Aus Gründen einer verbesserten Verbrauchersicherheit schreibt das deutsche Recht für die Muschelgifte DSP-Gruppe einen wesentlich niedrigeren Wert vor, als die EU (400 µg/kg statt 800 µg/kg Muscheln). Diese geringe Menge Gift kann mit den In-vitro-Methoden problemlos aufgespürt werden, nicht aber mit dem Mäuseversuch.

Regelung in anderen Ländern

Abweichend von den EU-Vorgaben wird der Test in Großbritannien an zwei statt an drei Mäusen durchgeführt. Sie werden zudem für die Dauer des Versuchs betäubt. In den Niederlanden wird auf DSP tierversuchsfrei getestet und für den Nachweis auf PSP wird ein Rattenversuch durchgeführt, wobei nicht gewartet wird, bis sich die Tiere zu Tode gequält haben. In Frankreich wurden bis 2001 Austern gar nicht getestet. In Neuseeland werden ausschließlich chemisch-physikalische Verfahren angewandt.

Der EU-Wahnsinn

Das Lebensmittel- und Veterinäramt der Europäischen Kommission (FDO) in Dublin überwacht die Einhaltung von EU-Recht in den Mitgliedsstaaten. Bei einer Inspektion in den Jahren 2001 und 2002 stellte die Behörde fest, dass Deutschland gegen EU-Recht verstößt, weil hier Muscheln nicht ordnungsgemäß im Mäuse-Test getestet werden. Auch Großbritannien, die Niederlande und Frankreich erhielten die Aufforderung, den Tierversuch nach den Vorgaben der EU durchzuführen. Die Bundesregierung weigert sich bislang hartnäckig, der Brüsseler Behörde Folge zu leisten, da aus ethischen, wissenschaftlichen und rechtlichen Gründen ein einmal abgeschaffter Tierversuch nicht wieder eingeführt werden kann. Die sehr viel bessere tierversuchsfreie Methode hat sogar einige Vergiftungsfälle bei importierten Muschelprodukten verhindern können, die mit dem Mäuse-Test in anderen Ländern getestet worden waren, aber trotzdem Gifte enthielten.

Logisch wäre es, wenn nicht Deutschland seine Rechtsvorschriften ändern müsste, sondern die EU ihre. Der Maus-Bioassay muss aus dem EU-Recht gestrichen werden. Damit wäre nicht nur die Wiedereinführung eines einmal abgeschafften Tierversuchs in Deutschland zu verhindern, sondern Tausenden Mäusen würde in ganz Europa ein qualvoller Tod erspart werden.

Warum werden die Gesetze nicht einfach geändert?

Der Mäuseversuch ist grausam, ungenau und nicht empfindlich genug, geringe Mengen Gift zu entdecken. Die In-vitro-Methoden tragen zu einer erhöhten Verbrauchersicherheit und zum verbesserten Tierschutz bei. Die EU tut sich trotzdem schwer, ihre Gesetze kurzfristig zu ändern. Warum? Im Folgenden sind die Scheinargumente der EU sowie die Antworten dazu aufgelistet.

  • Die In-vitro-Methoden sind nicht validiert, d.h. ihre Qualität wurde nicht offiziell überprüft.
    Die tierversuchsfreien Tests werden seit Jahrzehnten in Deutschland und Neuseeland routinemäßig eingesetzt, trotzdem verlangt die EU absurderweise einen Vergleich mit dem Mausversuch, der aber selbst nie validiert wurde.
  • Beim Auftauchen von neuen Toxinen stehen keine Referenzmaterialien zur Verfügung, d.h. für die HPLC und MC-LC-Methoden gibt es keine bekannten "Fingerabdrücke" zum Vergleich.
    Die Referenzmaterialien müssen umgehend erstellt werden. Außerdem stellt sich die Frage, ob immer wieder neue exotische Meerestiergerichte in die EU eingeführt werden müssen.
  • Vorhandene Referenzmaterialien werden aufgrund von Terrorismusbekämpfungsgesetzen nicht an Labors verschickt, da Missbrauch befürchtet wird. Muschelgifte gehören zu den giftigsten Substanzen, die es gibt.
    Die immense Tierqual darf aber nicht wegen logistischer Probleme verlängert werden.
  • Kein offizieller Grund, aber: hinter dem Mäuse-Bioassay stehen enorme wirtschaftliche Interessen. Die Versuchstierzüchter haben regelmäßige Abnehmer für ihre Mäuse, die Auftragslabors haben eine konstante, lukrative Einnahmequelle. Müssen sie auf die HPLC/MC-LC-Methoden umsteigen, haben sie zunächst hohe Anschaffungskosten für die Geräte und außerdem personelle Probleme, denn die Geräte können nicht von Tierpflegepersonal bedient werden.
     
    Wirtschaftliche Interessen sind aus rechtlicher Sicht kein Grund, einen längst ersetzbaren Tierversuch weiterzuführen.

Schritte in die richtige Richtung

Innerhalb der EU wird derzeit diskutiert, die Grenzwerte für das DSP-Muschelgift nach unten zu schrauben, um die Verbrauchersicherheit zu erhöhen. Der Mäuseversuch würde sich damit für DSP erledigen, denn mit ihm können diese geringen Mengen Gift nicht aufgespürt werden. Außerdem wird diskutiert, für den Nachweis des PSP-Giftes eine In-vitro-Methode als Referenzmethode zuzulassen.

Die EU-Kommission bewegt sich, doch viel zu langsam. Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind auf zahllose Proteste verschiedener Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen in Europa sowie die Arbeit von ZEBET (Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch) zurückzuführen. Weiterer Druck auf die EU ist unbedingt nötig!

Bitte machen Sie mit!