Das Versuchstier des Jahres 2006:
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   Die Maus

Seit Jahrtausenden ist die Geschichte der Hausmaus (Mus musculus) eng mit der des Menschen verbunden. Ursprünglich aus den Steppen Asiens stammend, folgte sie dem Menschen bis in jeden Winkel der Erde: vom Rand des Eismeers bis in die tiefsten Wüsten. In Vorratslagern und Bergwerken, in Wohnhäusern und Supermärkten, auf Schiffen und offenen Feldern, ja sogar in Kühlhäusern - überall, wo es etwas Essbares gibt, trifft man sie an. Kaum ein Tier lebt so opportunistisch wie die Maus. Ihre Lebensweise ist zugleich ihr Erfolgsrezept und ihr Schicksal. Seit Jahrtausenden wird sie erbarmungslos verfolgt und getötet. Als "Nahrungsschädling", "Krankheitsüberträger", "Parasit" wird sie bezeichnet. Mit Hilfe von Katzen und verschiedensten Konstruktionen, in der Neuzeit auch mit Gift und Gas, wurde ihr zu Leibe gerückt. Dank ihrer rasanten Vermehrungsrate ist die Maus aber nicht auszurotten. Schon im Alter von zwei bis drei Monaten bekommt ein Weibchen das erste Mal Junge und bringt es mit Enkeln und Urenkeln im Laufe ihres ersten Lebensjahres auf 2.000 Kinder.

Die grauen Flitzer können hervorragend rennen, klettern, springen und wenn nötig auch schwimmen. Sie können nicht gut sehen, haben aber ein erstklassiges Gehör und eine feine Nase. Sie sind intelligent, gelehrsam und sozial. Gegenseitige Körperpflege gehört bei Mäusefamilien zu den täglichen Verrichtungen.

Der Mensch hatte schon immer ein zwiespältiges Verhältnis zu den kleinen Nagern. Die alten Ägypter glaubten, die Sonnenglut der heißen Monate erzeuge im Schlamm des Nilstroms Mäuse. In Kleinasien, Griechenland und Sizilien wurde Apollo viele Jahrhunderte hindurch als Mäusegott (Smintheus) verehrt. Mäuse wurden in Tempeln zum Zwecke der Götterbefragung gehalten. In Indien wurden die Tiere als heilig angesehen und im Mittelalter wurden aus ihnen Arzneien gebraut.

In der jüngeren Zeit rufen die pelzigen Tierchen mit ihren süßen Kulleraugen und den großen Öhrchen zunehmend auch Sympathie hervor - Micky Maus, Tom & Jerry und „Die Sendung mit der Maus“ sind nur einige Beispiele.

Die Maus - gehasst und geliebt, verehrt und verfolgt.

Frei lebende Mäuse werden gnadenlos dezimiert, während gleichzeitig Abermillionen von ihnen in den Labors und Zuchtanstalten "produziert" werden. Ihre genügsame Lebensweise und ihre enorme Fruchtbarkeit sind ihr Verhängnis. Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte die Maus aus Japan, dem klassischen Land der Mäusezüchter, in die Labore Europas. Die Heerscharen von Mäusen, die im Namen der Wissenschaft seither gequält und getötet wurden hat niemand gezählt. Allein in Deutschland sind es rund eine Million pro Jahr. In den USA, dem Land, in dem Mäuse, Ratten und Vögel gesetzlich nicht als Tiere gelten und Versuche an ihnen nicht registriert werden, wird die Zahl der jährlich zu Tode gequälten Mäuse auf mindestens 25 Millionen geschätzt.

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Foto: afi

Als Versuchsobjekte werden sie vergiftet, verstrahlt, verstümmelt, sie werden süchtig gemacht, mit Elektroschocks traktiert, bei ihnen werden Krebs, Entzündungen, Krampfanfälle erzeugt - am Ende steht immer der Tod. Zunehmender "Beliebtheit" erfreut sich die Gentechnik. Gene werden bei den kleinen Nagern ein- und ausgeschaltet. Klappt die Veränderung des Erbguts nicht in der gewünschten Weise, wird der "Ausschuss" einfach entsorgt. Was übrig bleibt sind verkrüppelte Tiere, Fettleibige, Nackte, Blinde, Mäuse mit Gehirnschäden, mit Bluthochdruck, Rheuma oder Krebs. Rund 10.000 solcher Zombies hat die Wissenschaft bereits erschaffen. Menschliche Krankheiten sollen so für die Forschung simuliert werden. Doch die Rechnung geht nicht auf, denn die "künstlichen" Wesen haben kaum etwas mit der Situation beim Menschen gemein. Die meisten Krankheiten des Menschen beruhen eben nicht auf einem einzelnen Gendefekt, sondern haben viele Ursachen, wie Lebensweise, Ernährung, Verwendung von Tabak und Alkohol, soziale und psychische Komponenten, Einflüsse aus der Umwelt usw. Es verwundert also nicht, dass trotz jahrzehntelanger Forschung in diesem Gebiet das Ergebnis mehr als dürftig ist, wir immer noch auf das Wundermittel gegen Krebs, den Durchbruch bei Alzheimer usw. warten.

Myriaden von Mäusen werden in aller Welt als "Vorkoster" missbraucht. Medikamente, Chemikalien, Handystrahlen, Viren, Impfstoffe und eben auch Muscheln werden an ihnen getestet. Das Leid der Tiere ist immens. Wer nicht schon während des Versuchs stirbt, wird anschließend getötet. Keine Maus kommt lebend davon. Man müsse den Verbraucher vor Schäden schützen, heißt es als Begründung für die Qual der Tiere. Dabei haben Mensch und Maus nicht sonderlich viel gemein. Ihre Lebensweise hat dazu geführt, dass Mäuse über ganz andere Verstoffwechselungs- und Entgiftungsmöglichkeiten verfügen als Menschen. Was die Maus umbringt, muss für den Menschen nicht gefährlich sein und umgekehrt. Cortison ruft bei Mäusen Missbildungen hervor, beim Menschen nicht, bei Contergan war es umgekehrt. Mäuse sind gegen das in der Tollkirsche vorkommende Atropin weitgehend unempfindlich. Bei Menschen kann es zu schweren Vergiftungserscheinungen führen. Der Muscheltest ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Tierversuche vollkommen ungeeignet sind, die Sicherheit des Verbrauchers zu garantieren.