Das Versuchstier des Jahres 2006:
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   Der Tierversuch

Warum werden Muscheln getestet?

In unregelmäßigen Abständen kann es in Meeresgewässern zu einer Überpopulation von mikroskopisch kleinen Algen kommen. Dieses immer häufiger vorkommende, "rote Flut" genannte Phänomen ist auf klimatische Umstände sowie auf die zunehmende Meeresverschmutzung zurückzuführen. Die riesigen Algenmassen enthalten oftmals giftige Algenarten, wobei auch eigentlich harmlose Algen durch ins Wasser gelangte Gifte aus Industrie und Landwirtschaft giftig werden können. Über die Nahrungskette gelangen die Toxine in Muscheln, Krabben und Fische und reichern sich dort an. Aus Gründen der Verbrauchersicherheit werden von bestimmten Meerestieren, insbesondere Muscheln, regelmäßig Stichproben genommen und auf ihre Giftigkeit untersucht.

Wie äußert sich eine Muschelvergiftung?

Je nach Art und Dosis des Giftes kann es beim Menschen zu Nerven- und Muskellähmungen oder zu Magen-Darm-Symptomen, wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen. Nach Art der Symptome, die sie hervorrufen, unterscheidet man fünf Giftgruppen: lähmendes Muschelgift (PSP), Durchfall erzeugendes Muschelgift (DSP), Amnesie hervorrufendes Muschelgift (ASP), Yessotoxine (YTX), Pectotentoxine (PTX), Azaspironsäure-Nervengift (AZA). PSP ist besonders gefährlich, da es beim Menschen innerhalb weniger Stunden nach Giftaufnahme zu Atemlähmung und damit zum Tod führen kann. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gab es keine Hinweise auf Vergiftungen durch Muscheln aus deutschen Gewässern. Im Jahr 1972 kam es hierzulande zu Vergiftungsfällen nach Konsum spanischer Muscheln. Seither werden Muscheln in Deutschland regelmäßig getestet.

Wie werden Muscheln getestet?

Die Problematik der Muschelgifte ist bereits seit über 100 Jahren bekannt. Zahlreiche Versuche wurden unternommen, die Meerestiere zu entgiften. So werden Muscheln ungiftig, wenn man sie über einen bestimmten Zeitraum in sauberem Wasser hält. Durch Elektroschocks können sie dazu gebracht werden, die Gifte schneller auszuscheiden. Beide Methoden erwiesen sich als zu aufwändig. Die Entgiftung mit Chlor verursachte Geschmackveränderungen und Kochen und Einmachen in Dosen brachte nicht den erwünschten Erfolg. Solche Methoden sind natürlich auch aus Tierschutzgründen abzulehnen.

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Foto: BUAV

In den meisten Staaten der Welt wurden in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts staatliche Überwachungsprogramme eingerichtet. Dazu gehört sowohl das Absuchen der Meere nach "roten Fluten" als auch die routinemäßige Untersuchung von Muschelstichproben im "Maus-Bioassay". Die Untersuchungen werden je nach Land und Art des bestimmenden Giftes unterschiedlich durchgeführt.

In vielen Ländern wird nach den Vorschriften nach der American Association of Official Analytical Chemists (AOAC) vorgegangen: Gruppen von 10 Mäusen werden pürierte Muscheln in unterschiedlichen Verdünnungen in die Bauchhöhle injiziert. Die Tiere gehen qualvoll an dem Gift zugrunde. Die Zeit vom Moment der Injektion bis zum letzten Atemzug ist genau zu bestimmen. Es wird die Dosis ermittelt, bei der eine Maus innerhalb von 5-7 Minuten stirbt. Der Test muss innerhalb der nächsten Tage zweimal wiederholt werden. Aus den Verdünnungen und den Todeszeitpunkten wird die Giftmenge pro 100g Muschelfleisch errechnet. Die Menge darf einen festgelegten Wert (80 Mikrogramm pro 100g Muschelfleisch) nicht überschreiten.

In der EU ist seit 1991 für die meisten Muschelgifte folgender Test vorgeschrieben: Drei Mäusen werden zerkleinerte Muscheln in die Bauchhöhle injiziert. Sterben innerhalb von 24 Stunden zwei von ihnen, wird auf das Vorhandensein von Toxinen geschlossen. Allein die Injektion ist für die Tiere schon eine Tortur. Der Todeskampf kann sich über 24 Stunden hinziehen. Die Tiere ersticken schließlich qualvoll. Aus der Länge des Todeskampfes wird die Menge des Giftes berechnet. Sie darf eine bestimmte Menge Gift pro 100g Muschelfleisch nicht überschreiten. Die Höchstmenge ist je nach Toxin-Gruppe unterschiedlich.

Einzig die ASP-Toxine werden in der EU in vitro - also ohne Tiere - getestet.

Welche Nachteile hat der Mäuseversuch?

Der Mäuseversuch ist in erster Linie natürlich aus ethischen Gründen abzulehnen, da er sehr hohe Tierzahlen erfordert und extrem grausam ist. Außerdem kann die Verbrauchersicherheit durch ihn nicht gewährleistet werden, weil:

  • Das Ergebnis des Tests ist abhängig von Alter, Geschlecht, Zuchtlinie und Gewicht der Mäuse.
  • Der Test ist nicht empfindlich genug, um geringe Mengen Gift aufzuspüren. - Der Test ist zeit- und arbeitsaufwendig.
  • Der Test ist ungenau, unzuverlässig, wenig aussagekräftig und schlecht reproduzierbar, d.h. die Ergebnisse schwanken von Labor zu Labor.