Einleitung
Ende der 80iger Jahre wurde ich erstmals mit dem Problem Alkoholforschung an Ratten konfrontiert - hautnah - bei einem Gespräch mit Prof. Wolffgramm und Dr. Heyne in der Psychiatrischen Klinik der Freien Universität Berlin. Die Wissenschaftler versuchten, mir und meinem Mitstreiter den Sinn und die Unersetzlichkeit ihrer Forschung klarzumachen. Uns blieben erhebliche Zweifel. Die den Ratten bei dieser Forschung zugefügten Leiden durch Isolierung, Immobilisierung und anderen Stress, durch belastende Verhaltenstests und durch Entzug sind gravierend. Ich habe sie gesehen, die süchtigen, isoliert in kleinsten kahlen Käfigen gehaltenen, vor sich hin starrenden Ratten – ein Anblick, den ich nicht vergessen kann.
Dies war der Anlass, Alkoholforschung mit Ratten in Deutschland auf den Prüfstand zu stellen. Hierzu wurden wissenschaftliche Arbeiten und Publikationen über einen Zeitraum von 15 Jahren (1990 – 2005) ausgewertet. Das Ergebnis ist erschreckend.
Brigitte Jenner - Vorsitzende der Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V.
Die Ratte ist nach der Maus die am meisten in Versuchen verwendete Säugetierart.
Für viele Menschen zählt sie als “Schädling” und vermeintlicher Krankheitsüberträger zu den so genannten “Ekeltieren” und wird mit Angst- und Ablehnungsgefühlen assoziiert. So entsteht nur wenig Mitgefühl oder gar ein Unrechtsbewusstsein gegenüber in Tierversuchen missbrauchten Ratten. Kaum jemand kennt diese Tiere als hochsoziale und intelligente in Großfamilien lebende Rudeltiere, die ein enormes Verhaltensrepertoire aufweisen.
Um die Öffentlichkeit mit dem wirklichen Wesen der Ratte bekannt zu machen und sie so für das extreme Leid unzähliger Versuchsratten zu sensibilisieren, soll die Ratte 2007 als Versuchstier des Jahres in den Fokus gerückt werden.
Foto: Regine Schneide-Gaskin
Ratten werden in praktisch allen Bereichen in Versuchen missbraucht. Ein Teilgebiet stellt die tierexperimentelle Alkoholforschung dar. Die Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg haben sich auf dieses Gebiet konzentriert und die Erkenntnisse aus 15 Jahren dieser Art der Forschung ausgewertet. Neben entsetzlichem Tierleid konnte keinerlei Nutzen für die klinische Medizin – und damit werden die Versuche ja begründet - gefunden werden.
Die Schilderung und Kommentierung einzelner Versuche aus diesem Bereich sollen exemplarisch verdeutlichen, in welchem Ausmaß Ratten in Experimenten leiden müssen und zugleich darlegen, wie sinnlos und grausam die Methode Tierversuch an sich ist und dass ein Umdenken hin zu tierversuchsfreier Forschung dringend notwendig ist.
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