Das Versuchstier des Jahres 2007:
Die Ratte im Alkoholversuch
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 Das Leben der Ratten
 Das Leben in Freiheit
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 Alkoholforschung
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 exemplarische
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  Das Leben in der Freiheit

Taxonomisch betrachtet gehören die zwei bei uns vorkommenden Rattenarten - die sehr selten gewordene Hausratte (Rattus rattus) und die vorherrschende Wanderratte (Rattus norvegicus) – zur Unterfamilie der Echten Mäuse (Murinae). Die seit etwa 1890 für Versuchszwecke gezüchteten Ratten stammen von der Wanderratte ab, die vermutlich Anfang des 18. Jahrhunderts von Skandinavien und Nordasien über den Seeweg nach Mitteleuropa und Amerika kam. Die nachtaktiven, außerordentlich anpassungsfähigen Kulturfolger sind intelligente Tiere mit einem hochentwickelten Sozialbewusstsein. Sie legen unterirdische Bauten an, die durch Gänge miteinander verbunden sind und deren zentraler Platz eine Art Kessel mit säugenden Müttern darstellt. Müttern und ihren Jungtieren wird in der Rangordnung der Großfamilie höchste Wertigkeit zugemessen. Umgeben wird diese Wöchnerinnenstube von Vorrats-, Schlaf- und Toilettenräumen.

Zur Nahrungssuche bedienen sich die Ratten hauptsächlich ihres stark ausgeprägten Geruchssinnes. Den Gemischtköstlern dient Getreide als Grundnahrung, zusätzlich werden Obst, Nüsse, Grünfutter und gelegentlich Insekten und Würmer verzehrt. Zudem werden auch Nahrungsabfälle in der Kanalisation oder auf Mülldeponien nicht verschmäht, was den Ratten ein negatives und mit Ekel assoziiertes Image beschert. Doch sollte nicht der Mensch eher über sich selbst und seine Entsorgungspraktiken nachdenken als sich über ein ausgesprochen intelligentes und anpassungsfähiges Tier zu erregen?

Foto: tina andres, design & marketing

Der Geschmackssinn der Ratten ist hervorragend ausgebildet, und sie können geringste Spuren von Fremdsubstanzen “erschmecken”. Eine Besonderheit ist der so genannte “Vorkoster”, ein zumeist junges Männchen, das fremdes Futter zunächst probieren muss, bevor die übrigen Ratten im Falle eines Ausbleibens von Vergiftungserscheinungen ebenfalls davon fressen. Jungtiere fressen nur von Futter, das von älteren Ratten bereits benagt wurde.

Mit vier Wochen werden Ratten geschlechtsreif. Paarungsbereite Weibchen locken die Männchen über Sexualduftstoffe an und werden pro Brunst - quer durch die Familie - mehrere hundertmal begattet. Nach etwa 24 Tagen kommen durchschnittlich 5-7, bei domestizierten Ratten bis zu 15 nackte und blinde Jungratten zur Welt, die noch vier Wochen lang gesäugt werden. Für die kälteempfindlichen Jungen legt die Rättin ein warmes, weich gepolstertes Nest an. Bereits zwei Tage nach der Geburt der Jungen kann eine erneute Befruchtung des Weibchens stattfinden, so dass sechs bis acht Würfe pro Jahr möglich sind.

Zum enormen Verhaltensrepertoire der Ratten zählen unter anderem das stark ausgeprägte Erkundungsverhalten, das Spielen der jugendlichen Tiere, die gegenseitige Körperpflege, das extrem geschickte Klettern – der von vielen Menschen als “ekelhaft” angesehene Schwanz ist übrigens ein hochsensibles, mit feinsten Tasthärchen versehenes Organ, das unter anderem der Orientierung und beim Klettern und Springen dem Ausbalancieren dient - und der Nestbau.

Ratten können bis zu drei Jahre alt werden.