Das Versuchstier des Jahres 2007 und 2008:
Die Ratte im Alkoholversuch
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  Kritische Betrachtung der tierexperimentellen Alkoholforschung

Ganz abgesehen davon, dass im Rahmen der Suchtforschung unzählige Tiere unvorstellbar leiden und sie schon aus diesem Grunde abzulehnen ist, ist sie auch aus methodologischer und medizinischer Sicht zum Scheitern verurteilt. Das extrem vielschichtige Krankheitsbild der Alkoholabhängigkeit des Menschen, das durch ein komplexes und individuell unterschiedliches Zusammenspiel verschiedenster innerer und äußerer Faktoren über Jahre bis Jahrzehnte zustandekommt, durch ein standardisiertes “Tiermodell” nachahmen zu wollen, ist unmöglich.

Foto: VGT Wien

Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist, dass Suchtverhalten – und genau das soll ja in den Versuchen untersucht werden - nur auf der Basis freiwilliger Drogeneinnahme entsteht. Eine zwingende Konsequenz ist also eine freiwillige Alkholaufnahme durch die Tiere. Angesichts der den Bedürfnissen der Ratten komplett zuwiderlaufenden Haltungsbedingungen, wie sie im Labor üblich sind (s.o.), von Freiwilligkeit zu sprechen, erscheint jedoch mehr als fraglich. Vielmehr scheint es sich bei dem Alkoholkonsum, der unter diesen Bedingungen beobachtet wird, um eine Bewältigungsstrategie zu handeln, mit diesen permanenten artwidrigen Umständen umgehen zu können.

Aber auch ganz offenkundige Fragen der Übertragbarkeit und damit des potenziellen Nutzens dieser Versuche werden von vielen Experimentatoren nicht zum Anlass genommen, diese Art der Forschung zu überdenken. So wird in Diskussionen zu verschiedenen Versuchen angemerkt, dass die gemachten Beobachtungen beispielsweise nur für eine ganz bestimmte Rattenlinie gelten und nicht unbedingt auf andere Rattenlinien übertragbar seien. Wie sieht es dann wohl erst mit der Übertragbarkeit auf den Menschen aus, der sogar einer anderen Spezies angehört und nicht unter standardisierten Laborbedingungen lebt?

Ebenso ist der verstärkte Einsatz gentechnisch veränderter Tiere neben erheblichem Tierleid hauptsächlich von Ergebnissen gekennzeichnet, die jegliche Aussagekraft missen lassen.

Der Nutzen der tierexperimentell gestützten Erforschung der Alkoholabhängigkeit des Menschen ist somit neben ethischen auch aus medizinischen und methodologischen Gründen nicht gegeben.