Das Versuchstier des Jahres 2009:
Das Kaninchen
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Zu dieser Kategorie gehören u. a. die Prüfung von Medikamenten und die kommerzielle Herstellung sogenannter polyklonaler Antikörper.

Prüfung von Medikamenten

Tierversuch:
Arzneimittel, Implantate (z. B. zur Behandlung von Knochenbrüchen oder auch Gefäßprothesen) oder beispielsweise Katheter werden, bevor sie auf den Markt kommen, auf unerwünschte fiebererzeugende Wirkung überprüft. Dieser Test ist für die Zulassung behördlich vorgeschrieben. Der sogenannte Pyrogentest wird seit 60 Jahren am Kaninchen durchgeführt.

Bei der Arzneimittelprüfung wird das zu prüfende Medikament drei Kaninchen gespritzt. Die Tiere werden in engen Boxen, die jede Bewegung verhindern, für einige Stunden eingesperrt.

Foto: One Voice

Die Körpertemperatur wird rektal über ein Thermometer gemessen. Abgesehen von dem Stress, der bei den Tieren ausgelöst wird, ist dieser Test nicht aussagekräftig, da Kaninchen häufig wesentlich unempfindlicher als der Mensch auf fieberauslösende Substanzen reagieren. Außerdem können etliche Arzneimittelgruppen nicht am Kaninchen getestet werden, weil die Tiere sie nicht vertragen (z. B. bestimmte Antibiotika).

Ersatzverfahren:
Der In-vitro-Pyrogentest (IPT) verwendet menschliches Blut und weist fiebererregende Stoffe über die Messung bestimmter Entzündungssubstanzen (Zytokine) nach. Der an der Universität Konstanz entwickelte Test ist international validiert – und das bereits seit mehreren Jahren. Eine internationale Expertenkommission hat den Test für die Aufnahme in die Prüfvorschriften für Arzneimittel vorbereitet. Ab 2010 soll der IPT statt des Kaninchenversuchs in der EU durchgeführt werden. Der IPT ist in seiner Aussagekraft dem Tierversuch deutlich überlegen, weil wesentlich mehr fiebererzeugende Substanzen erfasst werden.

Ein weiterer Test auf fieberauslösende Wirkung, der sogenannte Limulus-Test (LAL-Test), wird mit dem Blut des Pfeilschwanzkrebses durchgeführt. Doch dieser Test ist ebenfalls mit Tierverbrauch verbunden, denn er kostet viele Pfeilschwanzkrebse das Leben. Außerdem ist er ungenau, denn es werden nicht alle fiebererzeugenden Stoffe mit diesem Test erfasst. Trotzdem ist er in den USA und in Europa behördlich anerkannt.

Produktion polyklonaler Antikörper

Polyklonale Antikörper werden als Impfstoffe verwendet und wirken im Organismus direkt gegen den Erreger. Solche polyklonalen Antikörper wurden zuvor von einem Tier erzeugt. Kaninchen werden verglichen mit anderen Tierarten (z. B. Schaf oder Pferd) am häufigsten zur Produktion polyklonaler Antikörper eingesetzt.

Tierversuch:
Den Kaninchen wird mehrfach – häufig viermal – ein Krankheitserreger gespritzt. Die Kaninchen produzieren dann Wirkstoffe (Antikörper) gegen den körperfremden Stoff. Nach bis zu zehn Wochen wird den Tieren Blut entnommen, aus diesem werden die Antikörper isoliert. Üblicherweise werden die Tiere durch Entbluten (nach vorausgegangener Betäubung) getötet, um große Blutmengen für die Antikörpergewinnung nutzen zu können. Die Injektionen mit dem Krankheitserreger sind schmerzhaft und rufen lokale Entzündungen an der Injektionsstelle hervor, da in der Regel ein Zusatzstoff enthalten ist (Adjuvans), um die Antikörperproduktion zu verstärken. Da die Tiere wiederholt gespritzt werden, stellt dies eine erhebliche Belastung dar, an deren Ende der Tod steht.

Diese Tierversuche sind anzeigepflichtig, d. h. sie müssen nicht genehmigt, sondern der Behörde lediglich bekannt gegeben werden.

Ersatzverfahren:
Ersatzverfahren zur Produktion dieser Antikörper gibt es bislang nicht; es gibt lediglich eine Methode, die weniger belastend ist. Polyklonale Antikörper können auch aus dem Eidotter von zuvor immunisierten Hühnern isoliert werden. Immunisierte Hühner produzieren deutlich mehr Antikörper als Kaninchen. Die Antikörper werden im Ei über den Dotter ausgeschieden. Die Gewinnung der Antiköper erfolgt daher schmerzfrei. Akzeptabel ist letztlich aber nur eine Methode, die ohne Tiere auskommt. Sogenannte monoklonale Antikörper können bereits mit Zellkulturtechniken hergestellt werden; auch für die polyklonalen Antikörper sind tierfreie Verfahren zu entwickeln.