Das Versuchstier des Jahres 2011:
Der Krallenfrosch
 Einleitung
 Zahlen 2009
 Tierversuche an Krallenfröschen
 Überblick
 Beispiele
 Beispiele für Ersatzmethoden
 Argumente gegen Tierversuche
 Kurzportrait: Krallenfrösche
 Quellen
 Impressum

  
   Hauptseite

  Tierversuche an Krallenfröschen

  Überblick

Der Krallenfrosch wird in der Grundlagenforschung, in der Ökotoxikologie und in der Aus-, Fort-und Weiterbildung eingesetzt. Krallenfrösche sind leicht zu halten und zu vermehren, sie legen im Vergleich zu anderen Fröschen sehr viele (10.000 bis 15.000) Eier im Jahr. Nach zwei Monaten bereits sind die Tiere ausgewachsen (2). Versuche werden mit ihnen während unterschiedlicher Entwicklungsstadien (befruchtete Eizelle, Kaulquappe, ausgewachsener Frosch) durchgeführt.

Ab welchem Entwicklungsstadium Frösche in der Lage sind, Schmerzen zu empfinden, hängt ab von der Ausprägung des Nervensystems. Die Empfindungsfähigkeit ist mit der Ausbildung des Nervensystems verbunden, das bei Wirbeltieren, also auch bei Amphibien vorhanden ist. Die Entwicklung der Organe aus der Oozyte (befruchtete Eizelle) ist nach 72 Stunden weitgehend abgeschlossen (5).

Foto: Eric Isselée, dreamstime.com

Grundlagenforschung mit Krallenfröschen

Den Grund, weshalb der Krallenfrosch in der Grundlagenforschung sehr begehrt ist, haben Wissenschaftler unlängst beschrieben: erstaunliche Ähnlichkeiten soll es bei Mensch und Frosch geben, zahlreiche Gene, nämlich rund 21.000 von 23.000 gleichen denen des Menschen und haben die gleiche Anordnung wie die des Menschen. Zudem litten die Frösche an ähnlichen Krankheiten wie der Mensch (6).

Neben der Funktion als Modell für die Bioindikation (siehe Giftigkeitsprüfungen) wird der Krallenfrosch zu Funktionsstudien an Ionenkanal-und Kernporenuntersuchungen der Zellen, Zellzykluskontrollanalysen, Studium der Wirkungsweisen von Wachstumsfaktoren, Zelldifferen­zierung und -wanderung, Organbildung und -regeneration eingesetzt (7).

Ökotoxikologische Untersuchungen mit Krallenfröschen

Endokrine (hormonwirksame) Stoffe, die ins Abwasser abgegeben werden und von dort aus in die Gewässer gelangen, werden seit längerem in Zusammenhang mit z. B. Reproduktionsstörungen bei Mensch und Tier diskutiert. Zu den endokrinen Stoffen gehören natürliche und synthetische Hormone, Arznei-und Körperpflegemittel, aber auch Weichmacher. Bei unsachgemäßer Eliminierung durch die Kläranlagen gelangen sie in die Gewässer. Zur Untersuchung der Auswirkung dieser Substanzen werden neben Fischen auch Amphibien eingesetzt. Der glatte Krallenfrosch (Xenopus laevis) ist das klassische Modell in der Endokrinologie zur Untersuchung ökotoxikologischer Wirkungen von Stoffen. Seine Entwicklung vom Ei über die Kaulquappe (freischwimmendes Larvenstadium) bis hin zum fertigen Frosch wird von der Schilddrüse gesteuert. Zur Ermittlung von Schilddrüsenhormonen in Gewässern z. B. werden daher meist befruchtete Eizellen oder Kaulquappen der Krallenfrösche eingesetzt. Bei Kaulquappen verhindern diese Substanzen die Metamorphose -sie entwickeln sich nicht zum fertigen Frosch weiter (8). In anderen Hormonversuchen wird dagegen eine Geschlechtsumwandlung der Frösche ausgelöst (Mitteilung Landesamt Gesundheit und Soziales, Berlin).

Der Krallenfrosch in der universitären Ausbildung

Wie der Bundesverband in seiner SATIS-Umfrage (veröffentlicht im Ethik-Hochschulranking (3)) ermittelt hat, werden in der universitären Ausbildung der medizinischen und biologischen Studiengänge noch immer Krallenfrösche verbraucht. Seine Verwendung ist dem § 10 Tierschutzgesetz zuzuordnen. Zwar handelt sich nicht um einen Tierversuch im engeren Sinne, aber um einen Tierverbrauch und ist daher in der Tierversuchsstatistik erfasst. Beispiele sind Sezierübungen in Anatomie-Kursen oder die „Herstellung“ des sogenannten Straub-Herzens (s. unten) in der Physiologie (9). Nach der Enthauptung des Krallenfroschs wird das Herz mit seinen zu-und ableitenden Gefäßen für diesen Versuch frei präpariert. Ähnlich verhält es sich mit dem Nerven-Versuch: nachdem das Tier enthauptet und gehäutet worden ist, wird es in mehrere Teile geteilt und am Unterkörper der Ischias-Nerv für Aktionspotenzialmessungen freipräpariert (siehe Versuchs­beschreibung).

Foto: Crookid,dreamstime.com